Sie fühlten sich am Sonntagvormittag schon um den Lohn ihrer Bemühungen gebracht. Bis in die Mittagsstunden hielt der Dauerregen, dann aber riss zur Erleichterung der Hangenleithener Dorfgemeinschaft die dichte Wolkendecke auf und einige Sonnenstrahlen erwärmten den Platz vor der Taferlkapelle. Noch früh genug um sich mit den vielen anderen Gästen aus der Pfarrei und den angrenzenden Gemeinden unterhalb des Ranzingerberges aufzumachen zur 200-Jahrfeier der Taferlkapelle draußen auf der Waldblöße an der Landkreisgrenze. So konnte Pater Paul Ostrowski neben Mitbruder Pater Slavomir Olech ein große Schar von Marienverehrern zur Jubiläumsfeier vor der Kapelle begrüßen. Besonders herzlich willkommen hieß der Pfarrer den Dompropst im Ruhestand Hans Striedl aus Passau.

Pater Ostrowski und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Melanie Kaufmann sprachen im Wechsel mit den Besuchern den Lobpreis Mariens und weitere Gebete zur Andacht. Der Kirchenchor unter Leitung von Antonia Radlinger hatte einige Marienlieder vorbereitet. Pater Slawomir Olech verlas die Bibelstelle vom ersten öffentlichen Auftritt Jesu bei der Hochzeit von Kanaa. Hans Striedl trat als wortgewaltiger Prediger auf. Er formulierte überwiegend im Dialekt, erzählte humorvoll, dann wieder tiefgründig und ernst, schmückte seine Aussagen mit Anekdoten und selbsterlebten Geschichten aus. Leutselig hatte er schon vor der Andacht Kontakte zu der Zuhörerschaft gesucht und wusste dann in der Predigt davon zu erzählen. Erfreut zeigte er sich darüber, dass so viele junge Leute und Kinder dabei waren. „ Da weiß man, dass auch in Zukunft hier am Taferl gebetet und gesungen wird“, meinte der Geistliche. Vom Kirchenchor wusste er, dass die Sänger und Sängerinnen eigens für die Jubläumsfeier geprobt hätten. Dirigentin Antonia Radlinger hätte dafür keine Leute von irgendwoher gebraucht. Sie hätten das mit eigener Leistung erbracht, lobte Striedl die Kirchberger Choristen.
„Habt’s euch vielleicht gewundert,dass ich das Evangelium von der Hochzeit zu Kana für diese Andacht ausgewählt habe“, begann der Domkapitular seine Predigt und stellte so gleich einen Zusammenhang zu seinen folgenden Aussagen her. Er erzählte, dass für die Juden vor 2000 Jahren der Wein gleichbedeutend mit Freude war. Und Maria habe ihren Sohn bei seinem ersten Auftritt darauf hingewiesen, dass bei der Hochzeitsfeier der Wein zu Ende ginge und damit zu einem freudlosen Ereignis würde. Und damit spannte Striedl den Bogen zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage. „ Uns ist die Freude ausgegangen“, erkannte er und beschrieb mit drastischen Worten die globale Realität. Kriege und Kriegstreiber wirkten als Zerstörer von Freude in menschlichen Beziehungen. Voller Sorge äußerte er sich ebenfalls über die Naturkatastrophen und beschwor die Zuhörer alles zu tun, um die Erde zu retten. Ebenso stimme der Zustand der Kirche bedenkenswert. „ Es gibt so viele Dinge, die uns hilflos und traurig machen und die Lebensfreude beeinträchtigen“, resümierte der Prediger. Dennoch, so Striedl, gäbe es gerade jetzt Grund Mut zu fassen. Im Hinblick auf die Kirche meinte er, dass sie neue Kraft durch die Herzen tatkräftiger Menschen erlange. So sei er auch aus Passau gekommen, denn der Bau dieser Kapelle sei ein Beweis dafür , dass der „Herrgott am Taferl ein Zeichen dafür gesetzt hat“. So hätten es auch die Hangenleither gesehen und erkannt. Und deshalb habe 1822 Dekan Kapfenberger diese Kapelle mit der prächtigen Barockausstattung erbauen lassen.
Die Dorfgemeinschaft mit Ignaz Raith an der Spitze sorge sich in beispielhafter Weise um den Zustand des Gebäudes. Seit 200 Jahren kämen aus allen Richtungen Pilger, um hier ihre Anliegen Maria vorzutragen. Positve Zeichen setzen die Hangenleithener auch, indem an jedem Sonntag hier der Rosenkranz gebetet werde, sowie mit der alljährlichen Sternwallfahrt. Und wenn Eltern mit den Kindern zur Andacht gekommen seien, erfülle einem das mit Freude, so Hans Striedl. Zum Schluss der Ansprache bat er die Besucher sich wenigstens den Leitsatz des Heiligen Don Bosco, dem Gründer des Salesianerordens, zu merken. Dieser habe den Menschen empfohlen „s‘Herz im Himmel zu haben und die Füße auf der Erde zu lassen“. So wünschte der Prediger zum Schluss, auch im Auftrag des Bischofs, „viel Glück in der Zukunft mit dem Blick nach oben und mit dem Füßen am Boden, um hier den richtigen Weg zu gehen“. Dass Hans Striedl mit seinen Ausführungen die Herzen berührt hatte, konnte man am spontan einsetzenden Beifall erschließen. Pater Paul schloss sich den Wünschen an und richtete Dankesworte an die Hangenleithener Dorfgemeinschaft, insbesondere an Ignaz Raith, den Kirchenchor und den Gast aus Passau.
Nach der Andacht scharten sich die Besucher an den Tischen um das Kirchlein zum gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen
Quelle: PNP
Johann Probst