
Mit einjähriger Verspätung war es am Sonntag soweit. Die Pfarrei und der Ort Kirchberg konnten endlich das 875jährige Jubiläum, das eigentlich 2021 schon fällig war, mit einem großartigen Festgottesdienst feiern.
Mit der Übertragung von Reliquien des Hl. Gotthard aus der Hildesheimer Domkirche in die Bayerwaldgemeinde wurde dabei ein neues Kapitel in der Geschichte der Pfarrei und der Verehrung dieses Heiligen aufgeschlagen.

Zur Feier dieses Festtages hatte Bischof Stefan Oster als „ nachträgliches Geburtstagsgeschenk“ Reliquien von St. Gotthard, der in der Hildesheimer Domkirche aufgebahrt ist, aus Passau mitgebracht. Zum Empfang des Würdenträgers hatten sich schon zahlreiche Pfarrangehörige und Vereinsabordnungen auf dem Amthofplatz eingefunden, die den Passauer Oberhirten mit Beifall begrüßten. Enen musikalischen Gruß lieferten auch die Kinder vom Kindergarten St. Gotthard. Zu den Kirchbergern gesellte sich auch ein starke Gruppe aus Bagnolo di Po, der italienischen Partnerpfarrei, die ebenfalls Gotthard als Schutzheiligen verehrt. Bei einer Statio an einem egens aufgebauten kleinen Altar vor dem Kriegerdenkmal präsentierte der Bischof, sichtbar für die Gläubigen, die in einer kleinen Monstranz eingeschlossenen Reliquien. Die beiden Diakone des Pfarrverbandes, Albert Achatz und Alfons Kopp, stellten den Lebensweg des Heiligen vor. Gotthard, auch Godehard genannt, wurde im Jahre 960 in Reichersdorf in der Pfarrei Schwanenkirchen geboren. Nach der schulischen Ausbildung im Kloster Niederalteich und der Priesterweihe 993 übernahm Gotthard als Abt 996 die Leitung des Klosters Niederaltaich. Durch sein Wirken deutschlandweit bekannt geworden, berief ihn König Heinrich II. im Jahr 1022 zum Bischof von Hildesheim. Nach über 15-jährigem segensreichem Episkopat starb Gotthard 1038 dort. Nach dem historischen Abriss riefen Pfarrer Pater Paul Ostrowski und der Bischof die Fürsprache des Heiligen an.
Bei hochsommerlichem Wetter zogen dann die Gläubigen unter den Klängen der Kirchberger Blasmusik über die Gotthardstraße den „Kirchaberg“ hinauf zum Jubiläumsgottesdienst in die prächtig geschmückte, vollbesetze St.-Gotthard Pfarrkirche.
Pfarrer Ostrowski entbot dort zunächst den zahlreichen Ehrengästen die Willkommensgrüße: Neben dem Hauptzelebranten, Bischof Oster, waren auch Dekan Ludwig Limbrunner, die ehemaligen Kirchberger Pfarrer Bernhard Saliter und Ruhestandspfarrer Erwin Böhmisch nach Kirchberg gekommen. Die Mitzelebranten ergänzten Don Valmore Mantovani aus Bagnolo und Mitbruder Pater Slawomir OIech aus Kirchberg. Pater Ostrowski freute sich auch, dass auch zahlreiche Pfarrgemeinderäte der beiden anderen Pfarreien des Pfarrverbandes , Bischofsmais und Untermitterdorf, zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in die Gotthardkirche gekommen waren. Gut vertreten war auch die Kommunalpolitik durch Bürgermeister Robert Muhr und zahlreichen Gemeinderäten. Stellvertretender Landrat Ronny Raith vertrat den Landkreis. Partnergemeinde Bagnolo hatte ihren Vizebürgermeister Pietro Caperletti entsandt. Begrüßt wurde auch Altbürgermeister Alois Wenig, der seine Italienisch-Kenntnisse und Beziehungen zu den Gästen aus dem Süden reaktiviert hatte.

Dem Grundwert „Freiheit“ hatte der Bischof seine Ansprache gewidmet. Mit der Aussage „Zur Freiheit hat euch Jesus befreit“ nahm er zunächst Bezug zur Lesung. Er stellte fest, dass dieser Satz durchaus mit dem Leben des heiligen Gotthard zu tun hat. Gotthard habe sich nämlich als angehender Abt und Bischof in seiner Amtsführung von den weltlichen Herrschern nicht fremd bestimmen lassen, er habe sich vielmehr in seiner Entscheidung erst nach Beratung im Kreise der Betroffenen gefällt. Diese Verhaltensweise zeuge von einer großen inneren Freiheit, urteilte Oster.
Diesem Freiheitsverständnis stellte er die Auffassung in der heutigen Zeit gegenüber: Jeder möchte frei sein, nicht fremdbestimmt. „Aber“, wenn ich immer nur das tue, was ich will, dann werde ich zu einem alten Egoisten, der unerträglich für die anderen ist“, formulierte der Bischof drastisch.“ Eigentliche Freiheit könne aber entstehen , wenn sie in Verbindung mit Liebe, die von Gott geschenkt wird, besteht. Als Beispiel dafür nannte er das liebevolle Zusammenwachsen von Menschen in der Ehe. Auch Gotthard habe diese Erkenntnis in der Bindung zu Gott gefunden und eine tiefere, innere Freiheit erlangt, so Oster. Zur Situation der Kirche merkte der Bischof an, dass sie zwar in den Städten und Dörfern in der Mitte der Ortschaften liege. Sie sei ja schon immer ein zentraler Bezugspunkt für unsere Hoffnungen, Klagen, aber auch Feste gewesen. „Nun aber spüren wir mehr und mehr, dass diese unsere Mitte verloren geht“, erkannte Stefan Oster und zählte Beispiele wie einen scheinbar unaufhaltsamen Rückgang der Kirchenbesuche und Gotteshäuser, die immer häufiger zu Museen werden ‚auf. Doch andererseits gebe es immer mehr Menschen, die erfahren, dass sie ohne Bindung an Gott nie die wirklich innere Freiheit finden. In einem zweiten Teil seiner Ansprache befasste sich Oster mit dem Christsein in der heutigen Gesellschaft: Wer sein Leben nach dem Evangelium ausrichte, könne es in keiner Komfortzone führen. „Christsein ist keine bequeme Sache“, zog der Oberhirte auch im Hinblick auf die Christenverfolgung in 140 Staaten ein Fazit. Die Bedeutung der Reliquien liege schließlich darin, dass wir annehmen, dass die Gegenwart Gottes in einem Menschen überaus präsent war und wir durch die Beschäftigung in seine Nähe kommen würden.
Nach den herausfordernden Gedanken hatte Oster, der bei seinen Ausführungen die Nähe des Gläubigen suchte, noch einen „Dank für alles ‚was Sie tun, damit der Glaube lebendig bleibt.“