Die weinende Mutter – ein himmlischer Ruf zur Umkehr. 180 Jahre Erscheinung von La Salette.
P. Paul Ostrowski
Am 19. September 1846 neigte sich der Himmel in besonderer Weise zur Erde herab: In der Stille der französischen Alpen von La Salette erschien die Gottesmutter zwei einfachen Kindern – Maximin und Mélanie.
In diesem Jahr darf man das 180. Jubiläum dieses ergreifenden Ereignisses begehen – eines Ereignisses, das bis heute in seiner geistlichen Tiefe nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat. Maria erscheint nicht im Glanz irdischer Macht, sondern im Schmerz einer Mutter. Weinend sitzt sie da – erschüttert über die Sünde der Menschen, über ihre Gleichgültigkeit gegenüber Gott und über das Vergessen seiner Liebe. Ihre Tränen sind keine Zeichen der Ohnmacht, sondern Ausdruck einer Liebe, die tiefer geht als jedes menschliche Maß. In La Salette begegnet uns Maria als Mutter und Fürsprecherin. Sie steht gleichsam zwischen Himmel und Erde, zwischen der göttlichen Gerechtigkeit und der menschlichen Schwachheit. Sie hält – wie es die Überlieferung sagt – das strafende Gericht ihres Sohnes zurück, nicht um die Wahrheit zu verschweigen, sondern um Zeit zur Umkehr zu erbitten. Ihre Botschaft ist eindringlich und klar: Umkehr, Gebet und Versöhnung.
P. Slawomir Olech
Fast sechst Jahre nach den Erscheinungen, am 01. Mai 1852 entstand die Gemeinschaft der Missionare Unserer Lieben Frau von La Salette. Seitdem tragen sie die Botschaft der Versöhnung in alle Welt.
Auch in der Diözese Passau, in unserer Heimat im Pfarrverband Kirchberg — Bischofsmais und darüber hinaus, wirken die Salettiner Patres und lassen den Ruf von La Salette lebendig bleiben.
Gerade in einer Zeit, die von innerer Unruhe, Orientierungslosigkeit und geistlicher Müdigkeit geprägt ist, spricht die Botschaft von La Salette mit neuer Kraft zu unseren Herzen. Sie fordert uns heraus, innezuhalten und uns zu fragen: Wo stehen wir vor Gott? Wo haben wir den Weg der Treue verlassen? Wo bedarf unser Leben der heilenden Kraft der Versöhnung? Denn eines bleibt unverrückbar: Ohne Umkehr keine Erneuerung. Ohne Reue keine Vergebung. Ohne Versöhnung kein wahrer Friede. Nicht im Herzen des Menschen – und nicht in der Welt. Und doch ist die Botschaft von La Salette letztlich eine Botschaft der Hoffnung. Die Tränen Mariens sind durchdrungen vom Licht der göttlichen Barmherzigkeit. Sie verkünden: Der Mensch ist nicht verloren, solange er den Weg zurück zu Gott sucht. Jeder Schritt der Umkehr eröffnet neue Wege zum Leben. Möge dieses Jubiläum uns alle neu ergreifen und verwandeln. Möge es unsere Herzen öffnen für den Ruf des Himmels, damit wir den Weg der Versöhnung mutig gehen – im Vertrauen auf die unendliche Liebe Gottes.
P. Slawomir Olech
