Da staunten die Besucher des Sonntagsgottesdienstes in der Kirchberger Pfarrkirche nicht schlecht, war doch vor den Eingangstüren eine Reihe von Bobbycars geparkt. Die Kirchenbänke waren mit Zielflaggen wie bei einem richtigen Formel 1‑Rennen drapiert. Eine Ampel vor dem Altar, Startnummern und Reifen lieferten zusätzlich Formel 1‑Atmosphäre. Und dann begrüßten auch noch die Minis Anna Seidl und Barbara Bauer vom Ambo aus die Gäste zum „Grand Prix von Kirchberg“. Dass die Besucher aber nicht an den falschen Ort geraten waren, erkannten sie, als die Minis sie aufforderten: „Lasst uns nicht lange warten! Gott geht mit uns ins Rennen.“
Johann Probst
Und schon rollten die „Piloten“ in Ministrantenalben gekleidet, tatsächlich mit ihren Fahrzeugen, allerdings noch im gedrosselten Aufwärmtempo, bis zu den Altarstufen hin. Dass das Alles nicht als Dummer-Jungen Streich gedacht war, erkannte die Kirchengemeinde, als den Bobby-Car-Piloten viele weitere Minis sowie Pfarrer Paul Ostrowski und Diakon Alfons Kopp durch den Mittelgang folgten. Extra aus Passau war der „Ministrantenpfarrer“ der Diözese, Hubertus Kerscher, und die Referatsleiterin Edith Drexler ins Bayerwalddorf zu diesem Event angereist. Für Aufklärung sorgte schließlich Kerscher selbst: „Heute feiern wir mit der Aufnahme und der Verabschiedung von Ministranten einen besonderen Gottesdienst.“ Das Thema für den Gottesdienst hätten sich die Minis ausgesucht. Es sei die Formel 1, wie schon beim Einzug deutlich geworden wäre: die Formel 1 – oder besser gesagt, die „Formel Mini“, so der Passauer Priester. Er stellte in der Folge die Gemeinsamkeiten in Metaphern dar: Boxenstopps, Regeln, Fahrer und ein großes Ziel erinnerten an das Leben als Christen: „Gemeinsam sind wir unterwegs und Gott ist mit unserem Team.“
Johann Probst
Timo Hirtreiter, der vor 10 Jahren in die Kirchberger Mini-Crew eingestiegen ist, lud dann vier Mädchen und vier Buben ein, sich startbereit für das „Rennen“, den Gottesdienst und die Laufbahn als Ministrant zu machen. Bei einem ersten Test hatten sich die acht „Debütanten“ bei den Kyrierufen und beim Predigtspiel zu bewähren. Mit Ampel, Reifen und Zielflagge benutzten sie starke Bilder bei der Anrufung Jesu als „Teamchef“, der als Helfer beim Entstehen von Problemen einschreiten könne. Im folgendem Predigtspiel, hieß es den Ablauf des Formel 1‑Rennens auf das Formel Mini-Format zu übertragen. So wurde die Gemeinsamkeit von Rennsport, Ministranten und Glauben erkennbar. So folgerten die Minis gemeinsam mit „ihrem“ Pfarrer: „Niemand kommt alleine ins Ziel, man braucht ein gutes Team, gegenseitige Hilfe und Vertrauen. Letzten Endes kommt es auf die Hilfe Gottes auf der Strecke, auf dem Weg und im Leben an.“
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Und Timo Hirtreiter schlussfolgerte ebenso: „Die Formel 1 hat ziemlich viel mit euch von der „Formel Mini zu tun.“ Letztendlich aber sei das Ziel bei den Ministrantinnen und Ministranten größer als der Siegerpokal bei den Rennfahrern: „Es ist nicht weniger als der Himmel, die ewige Freude“, so der Oberministrant. Noch hieß es für die zukünftigen Minis aber bis vor dem Schlusssegen abzuwarten. Dann rief der Ministrantenpfarrer die zukünftigen Ministranten Paul Altmann, Teresa Blöchinger, Julia Eichinger, Matilda Ertl, Christian Pletl, Klara Sedlmeier sowie Andreas und Thomas Zistler auf und befragte sie, ob sie bereit seien mit Freude den Ministrantendienst zu erfüllen. Nach dem klaren Ja erhielten die Jung-Minis die entsprechenden Starter-Kits für den Dienst am Altar. Eine Beförderung gab es schließlich auch noch. Timo Hirtreiter, der ziemlich genau vor 10 Jahren in die Schar der Minis aufgenommen worden war, wurde zum Oberministranten bestimmt.
Johann Probst
Die Freude über die Neuzugänge sollte allerdings nicht ganz ungetrübt bleiben. Drei bewährte Minis mussten sich an diesem Tag von der Mini-Crew mit über 30 „Piloten“ verabschieden. Verena Gigl und Matthias Gigl übten jeweils fünf Jahre zuverlässig den Dienst aus. Benedikt Gigl erhielt nach neun Jahren Zugehörigkeit die Entlassurkunde des Bischofs. „Wir hoffen, dass du der Pfarrei nicht verloren gehst. Vielleicht kannst du ihr als Pfarrgemeinderat oder in der Kirchenverwaltung einmal dienlich sein kannst“, meinte die Passauer Referatsleiterin. Dass trotz des Aderlasses die Anzahl der Ministranten wieder gestiegen sei, sei nicht verwunderlich, so Edith Drexler bei ihrer Würdigung. Bei dieser Gelegenheit übermittelte sie auch die Glückwünsche von Bischof Oster an die Minis. Die Arbeit mit den Ministranten genieße weit über die Pfarrei einen hervorragenden Ruf. Zuzuschreiben sei diese Tatsache vor allem dem Betreuerteam mit Michaela Seidl, Simone Gigl, Katrin Loibl und Carmen Bauer, stellte Drexler fest. Die Angebote für die Minis würden von der Durchführung der regelmäßig stattfindenden Gruppenstunden bis zu Auslandsreisen wie nach Assisi reichen. Einen weiteren Grund dafür, dass die Kinder der Gruppe teilweise bis ins Erwachsenenalter der Crew treu bleiben bestehe darin, dass sie stets mit der Unterstützung durch ihre Eltern rechnen können. „Jetzt aber an den Start, ihr seid fit. Ihr schafft die neuen Aufgaben“, machte schließlich Drexler den Neu-Minis Mut.
Johann Probst
Der Ministrantenpfarrer bedankte sich schließlich für den schönen Tag bei der Ministrantenschar und ihren Betreuern und Eltern. Kerscher hob dabei die hervorragende musikalische Begleitung des Gottesdienstes durch die „Chili Music“ als besonderen Höhepunkt hervor. Die jungen Musiker entstammen alle der Kirchberger Ministrantengruppe. Den Abschluss bildeten dann Emmi und Josefa Loibl, die im selbst verfassten Gedicht die Lebensumstände der Ministranten beschrieben.
Johann Probst
Quelle: PNP
Text+Foto: Johann Probst


